Proxmox rund um die Uhr: Der letzte Grund, bei VMware zu bleiben, ist gefallen
Seit dem 19. Oktober bietet Proxmox Enterprise-Support rund um die Uhr. Für Lucas Knapp, Geschäftsführer der EDNT IT-Services GmbH, ist damit das letzte Argument gegen den Wechsel vom Tisch, gerade für die öffentliche Hand.
In fast jeder Infrastruktur-Runde der vergangenen Jahre fiel irgendwann derselbe Satz: „Open Source ist schön, aber wer hilft uns nachts um drei?“ Damit war die Diskussion oft beendet, bevor sie begonnen hatte. Seit dem 19. Oktober zieht dieses Argument nicht mehr. Proxmox beantwortet Enterprise-Tickets für Proxmox VE, Proxmox Backup Server und Proxmox Datacenter Manager rund um die Uhr, in jeder Zeitzone, direkt vom eigenen Engineering-Team.
Ich kenne diese Runden aus eigener Erfahrung. Wir betreiben Proxmox-Umgebungen für unsere Kunden seit Jahren rund um die Uhr. Trotzdem wurde unser 24/7-Betrieb oft nur zähneknirschend akzeptiert, manchmal auch ganz abgelehnt. Das lag nicht an der Qualität, sondern an der Checkliste: Dort stand „Herstellersupport“ und nicht „Partnersupport“. Für viele Einkäufer war ein Systemhaus aus Bensheim kein gleichwertiger Ersatz für einen Konzern mit Hotline, egal, wer am Ende tatsächlich nachts am Cluster saß.
Mit dem offiziellen Herstellersupport fällt auch dieses Argument. Kunden bekommen jetzt beides: den Partner, der ihre Umgebung kennt, und den Hersteller als Rückendeckung. Damit ist Proxmox auf dem Papier so abgesichert wie VMware. In der Praxis ist es meiner Meinung nach besser abgesichert, weil die Verantwortung bei Menschen liegt, die der Kunde kennt und erreichen kann.
Das ist keine Randnotiz. Es ist der Moment, in dem Open-Source-Virtualisierung formal mit allem gleichzieht, was Einkaufsabteilungen bisher von großen Herstellern verlangt haben.
Proxmox hat geliefert, still und konsequent
Bemerkenswert ist weniger die Ankündigung selbst als die Art, wie Proxmox sie umsetzt. Premium-Kunden erhalten den 24/7-Support ab dem ersten Tag im bestehenden Vertrag. Es gibt kein neues Bundle, keine Zwangsmigration in ein teureres Paket und keine Fristen, nach denen Bestandskunden plötzlich mehr zahlen. Standard-Kunden werden im vierten Quartal nachgezogen. Selbst Basic-Kunden profitieren, weil das Support-Team inzwischen über die österreichischen Geschäftszeiten hinaus arbeitet.
Dahinter steht ein Hersteller, der 2005 in Wien gegründet wurde, dort bis heute entwickelt und nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 2,3 Millionen aktive Proxmox-VE-Server weltweit zählt. Der Code ist offen. Bezahlt wird für Support und das Enterprise-Repository, nicht für das Freischalten von Funktionen.
Ich halte das für vorbildlich. So sieht ein Hersteller aus, der Vertrauen aufbauen will, statt es zu verbrauchen.
Broadcom geht den umgekehrten Weg
Der Kontrast zu VMware könnte kaum größer sein. Seit der Übernahme durch Broadcom wurden unbefristete Lizenzen abgeschafft, Produkte in große Bundles überführt und die Abrechnung auf Prozessorkerne umgestellt. Wer seine Verlängerung verpasst, zahlt laut Berichten aus dem Distributionskanal einen Aufschlag von 20 Prozent. 2025 strich Broadcom das White-Label-Programm, über das kleinere Anbieter VMware-Lösungen vertreiben konnten. Im Januar 2026 folgte die Ankündigung, das Programm für Cloud-Service-Provider in Europa zu beenden.
Der europäische Cloud-Verband CISPE hat dagegen im März Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission eingelegt, nach einer früheren Beschwerde des deutschen Anwenderverbands VOICE. Broadcom weist die Vorwürfe zurück. Wie die Verfahren ausgehen, ist offen.
Meine Bewertung ist trotzdem eindeutig: Wer langjährige Kunden und Partner so behandelt, zeigt ihnen, welchen Platz sie in seiner Strategie haben. Jeder IT-Leiter und jede Behörde sollte das ernst nehmen.
Das eigentliche Risiko heißt Abhängigkeit
Über die Preissteigerungen bei VMware ist viel geschrieben worden. Ich halte sie für das kleinere Problem. Das größere ist, dass niemand den nächsten Preis kennt und niemand ihn abwenden kann. Wer seine gesamte Virtualisierung an einen einzigen Konzern bindet, gibt die Kontrolle über Budget, Roadmap und Exit-Strategie aus der Hand.
Mit Proxmox sieht das anders aus. Die virtuellen Maschinen laufen auf KVM, einem offenen Standard. Daten und Konfigurationen bleiben portabel. Und wer mit seinem Dienstleister unzufrieden ist, wechselt den Dienstleister, nicht die Plattform. Das meine ich, wenn ich von digitaler Souveränität spreche: nicht ein Etikett auf dem Rechenzentrum, sondern die Freiheit, morgen anders entscheiden zu können.
An die öffentliche Hand: Jetzt wechseln, nicht nach der nächsten Verlängerung
Besonders deutlich wird der Widerspruch in der Verwaltung. Bund und Länder arbeiten mit dem Deutschland-Stack an einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur auf Basis offener Standards. Der Koalitionsvertrag nennt Open Source ausdrücklich als Weg zur digitalen Souveränität. Und Schleswig-Holstein zeigt, dass der Umstieg auch im großen Maßstab funktioniert.
Gleichzeitig überweisen viele Behörden für ihre zentralste Infrastruktur weiter steigende Abo-Gebühren an einen US-Konzern. Politisch lässt sich das kaum noch erklären. Der fehlende 24/7-Support des Herstellers war lange ein gängiges Argument gegen Open Source in der Verwaltung. Seit dem 19. Oktober ist es erledigt.
Wir betreuen bereits mehrere Städte und Ämter auf Proxmox. Die Erfahrung dort ist eindeutig: Der Wechsel ist planbar, der Betrieb stabil, und die Verwaltung entscheidet wieder selbst über ihre Infrastruktur.
Mein Appell an Kommunen, Landesbehörden und öffentliche Einrichtungen lautet deshalb: Planen Sie die Migration jetzt in den Haushalt 2027 ein. Jede weitere VMware-Verlängerung bindet Sie für ein Jahr an Konditionen, die Sie nicht verhandeln können. Eine Migration braucht Vorlauf für Bestandsaufnahme, Vergabe und Testbetrieb. Wer erst bei der nächsten Preisrunde reagiert, reagiert zu spät.
Was 24/7 nicht leistet, und warum das kein Gegenargument ist
Ein Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu. Der neue Herstellersupport löst Produktfehler. Er betreibt keinen Cluster. Proxmox kennt weder Ihr Ceph-Layout noch Ihr Netzwerk, Ihr Backup-Konzept oder die Änderung von letzter Woche. Bevor ein Ticket in Wien sinnvoll ist, muss jemand den Fehler eingegrenzt, reproduziert und dokumentiert haben. Nachts um drei muss das jemand tun, der Ihre Umgebung kennt.
Dazu kommt ein Detail im Kleingedruckten: 24/7 gibt es ab sofort nur in der Premium-Stufe. Proxmox wird pro CPU-Socket lizenziert, und alle Knoten eines Clusters müssen dieselbe Stufe haben. Die richtige Frage lautet deshalb nicht „Brauche ich 24/7?“, sondern „Auf welcher Ebene brauche ich 24/7?“. Oft ist Standard beim Hersteller in Kombination mit einem 24/7-Betrieb beim Partner die wirtschaftlichere Lösung.
Das ist kein Argument gegen Proxmox, sondern ein bewährtes Modell. Der Partner verantwortet Betrieb, Monitoring und die erste Fehlerbehebung, auf Deutsch und in der Umgebung des Kunden. Der Hersteller übernimmt, wenn der Fehler im Code liegt. Genau so hat der VMware-Channel zwei Jahrzehnte lang funktioniert. Neu ist nur, dass der Kunde keine Lizenzfalle mehr mitkauft.
Für Systemhäuser heißt das: Wer nur Subscriptions weiterverkauft, wird austauschbar. Wer betreibt, migriert und schult, wird unverzichtbar.
Die Ausreden sind aufgebraucht
Der Hersteller ist europäisch, der Code ist offen, der Support läuft rund um die Uhr, und erfahrene Partner stehen bereit. Damit fehlt der Grund, aus Gewohnheit bei VMware zu bleiben. Wer 2027 noch verlängert, sollte das bewusst entscheiden und begründen können: vor dem Controlling, vor dem Datenschutz und vor dem eigenen Anspruch an digitale Souveränität.
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